Leistung
Leistung ist für uns weit mehr als die Aneignung überprüfbaren Wissens und Könnens. Während der drei Jahre dauernden Wegetappe „Förderung von Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung im Unterricht“, setzte sich das gesamte Kollegium intensiv mit einem ganzheitlichen Leistungsbegriff auseinander. Dabei orientieren wir uns maßgeblich an dem OECD-Wissensbegriff, der den kompetenten Umgang mit sprachlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen, lernstrategisch - methodischen und musischen Operatoren, kompetentes Sozialverhalten sowie erfolgreiches Agieren in heterogenen Gruppen in den Blick nimmt. Somit umfasst für uns der Leistungsbegriff die Erhöhung von Selbstwirksamkeit aller an Schule Beteiligten. Nach Wolfgang Edelstein ist dies die Grundlage für unsere Schulreform selbst. Unterricht hat nur Sinn, wenn er bei Schülern und Lehrern zu einem persönlichen Gewinn führt. Ziel ist es, durch gezielte pädagogische Maßnahmen Lernmotivation zu fördern, Sozialverhalten zu reflektieren und Alltagshandeln proaktiv werden zu lassen. Es geht auch hier um den Aufbau und die Pflege einer demokratischen Alltags- und Bildungskultur. Eine Schule, die einen solchen Weg geht, fokussiert sich auf die Leistung aller Beteiligten – eine gute Schule für alle.
Durch die Einführung unserer Daltonplan Logbücher, angeregt durch eine Bildungsreise an die schwedische Futurum-Schule, gelingt es uns, die Leistungsentwicklung der Schüler sowohl für sie selbst als auch für die Eltern und Lehrer zu dokumentieren und transparent zu machen.
Ein umfassendes Leistungsverständnis erfordert aus unserer Sicht ein Umdenken und eine veränderte Praxis der Lern- und Leistungsdiagnostik. Hier bauen wir den Weg da, wo wir gerade gehen. Eine transparente, an Kompetenzen orientierte Leistungsbewertung ist Alltag. Wir trennen Lern- und Leistungsraum, dokumentieren die Ergebnisse in Lernportfolios, freien Vorträgen, szenischen Darstellungen (auch in den Naturwissenschaften) u.a.m. Bei Vergleichs- und Kompetenztests liegt die Schule im und über dem Landesdurchschnitt. Bei Leistungsvergleichen und Wettbewerben wie Mathematik-, Chemie- und Lateinolympiaden belegten Schüler unserer Schule oft vordere Plätze.
Eine besondere Förderung erfahren sportlich interessierte und teils in Vereinen organisierte Schüler in unseren Sportklassen. Auch in diesem Bereich werden bei zahlreichen Wettkämpfen vordere Platzierungen erreicht.
Eine besondere Leistung unserer Schüler und Lehrer, welche inzwischen Anerkennung über die Region hinaus findet, ist die im zweijährigen Rhythmus stattfindende Aufführung eines Musicals, das jahrgangs- und fächerübergreifend von der ganzen Schule als Projekt erarbeitet wird. Wenn Erbringen von Leistung so von uns verstanden wird, erlebt sie jeder Einzelne wie auch die Gemeinschaft als Erfolg. So steht sie im Dienst der Gestaltung einer demokratischen Schulkultur im Sinne des BLK-Programmes „Demokratie lernen & leben“ und grenzt sich somit vom selektiven Leistungsverständnis konsequent ab.
Unsere Erfahrung auf dem bisherigen Weg zeigt: Wenn den Erwachsenen der Perspektivwechsel gelingt, wird Schule auch für sie erträglicher und erfolgreicher. Es geht uns um den Haltungswechsel: Von „Wie muss das Kind sein, damit es der Schule gerecht wird?“ hin zu „Wie muss unsere Schule sein, damit sie den Kindern gerecht wird?“
Gerade an diesem Beispiel zeigt sich die Spezifik unseres Weges: Zeit zu lassen für wirkliche Veränderung, d.h. Wandel von Einstellungen, Annahmen, Werten, Werthaltungen und das daraus resultierende Handeln aller!
Das Gelingen dieses Prozesses brauchte viel Kommunikation, Verständnis, Feingefühl und Durchhaltevermögen derer, die vorangingen, um mehr und mehr Kollegen mitzunehmen. Hierin zeigt sich auch eine besondere gemeinschaftliche Leistung, die die Schule erbracht hat.
Dieser Weg war und ist anspruchsvoll, niemals glatt und stellt sehr hohe Anforderungen an die Wandergruppe, die gemeinsam Abschnitte des Weges erst errichten muss, bevor sie sie begehen kann.