Kommt, wir erzählen euch eine Schulgeschichte:
„Alles greift ineinander – der Weg zu einem demokratischen Gymnasium“
Das Staatliche Gymnasium Neuhaus am Rennweg hat in den letzten neunzehn Jahren eine Entwicklung zu einer demokratischen und innovativen Schule genommen.
Am Anfang stand die Wende. Nach 1990 wurde unsere Schule von einer erweiterten Oberschule der ehemaligen DDR in ein Gymnasium im gegliederten Schulsystem umgewandelt. Das Kollegium bestand zum überwiegenden Teil aus Lehrkräften, deren pädagogische Wurzeln in der vormals erweiterten Oberschule lagen. Der gesellschaftliche Umbruch mit all seinen Konfliktlagen war voll im Gange, an Schulentwicklung im modernen Sinne dachte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Unsere Schule war auf drei, teilweise baulich marode, Standorte verteilt. Durch einen engagiert herbeigeführten attraktiven Schulneubau verbesserten sich ab dem Jahre 1994 die sächlichen Unterrichtsbedingungen sprunghaft.
Ein erster Meilenstein auf diesem Weg war es, das Engagement der Gründungsphase in die Vision einer modernen demokratischen Schule zu überführen. Der offenen, bunten, unkonventionellen, freizügigen Bauhausarchitektur sollte eine ebenso soziale und motivierende Lernkultur entsprechen. Dafür trat der neue Schulleiter 1996 seinen Dienst an. Ziel war es zunächst, durch die Bildung von Beteiligungsstrukturen eine gefühlte und sichtbare demokratische Veränderung auf allen Handlungsebenen umzusetzen. Auf dem Weg dorthin lagen Steine, fehlten Brücken, gab es steile Anstiege und Weggabelungen, die sich in Unsicherheiten, Zweifeln und Widerständen äußerten.
Eine klare Rollenansage für den Wechsel vom Verwalten zum Gestalten war notwendig. Einen demokratisch- integrativen Führungsstil war kaum jemand gewohnt. Der Übergang vom Anweisen, Kontrollieren, Überwachen, Tadeln, Loben, Bewerten zum Moderieren, Überzeugen, Debattieren, Deliberieren und selbstständigen Handeln ist gleichsam ein Spiegel für den Übergang in eine demokratische Welt mit den darin enthaltenen Freiräumen, die es nutzbar zu machen galt.
Das Abenteuer wirklicher Veränderung brauchte eine Professionalisierung des Kollegiums und ebenso externe Begleitung. Etappen auf dem Weg zu einem demokratischen Gymnasium, von denen wir am Anfang nichts ahnten, lagen nun vor uns:
- Eine veränderte Gesprächskultur, die eine Verständigung zu Grundsatzfragen der Schulentwicklung überhaupt erst möglich machten(→ Schule als lernende Institution)
- Eine bewusste Einbeziehung der Schüler in den Veränderungsprozess sowie Aufbau und Stärkung nötiger Beteiligungsstrukturen (→ Schule als lernende Institution)
- Verstärkte Thematisierung einer veränderten Unterrichtskultur und Suche nach Ansätzen moderner Pädagogik mit allen Kollegen und Schülern der Schule (→ Unterrichtsqualität)
- Erfolgreiche Bewerbung und Teilnahme am BLK-Programm „Demokratie lernen & leben“ (→ Schulklima)
- Erfolgreiche Bewerbung um den Titel Medienschule (→ Schule als lernende Institution).
- Erfolgreiche Bewerbung und Teilnahme am dreijährigen Forschungsprogramm „Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung im Unterricht“ der Humboldt-Universität zu Berlin (→ Unterrichtsqualität)
- Überführung und Weiterentwicklung der Ergebnisse aus dem oben genannten Programm in das reformpädagogische Konzept des Daltonplans (→ Unterrichtsqualität)
- Gründung und Qualifizierung einer Steuergruppe als partizipative Leitungsinstanz für Schulentwicklung (→ Schule als lernende Institution).
- Entwicklung und Etablierung eines Ganztagskonzeptes in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung/Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen“ und dem Institut für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund (→ Schule als lernende Institution).
Die genannten Etappen waren spannend, prägend und immer wieder weiterführend.