Wege gemeinsam gehen, heißt gemeinsam Verantwortung zu tragen für das Überwinden von Schwierigkeiten, das Erreichen von Zielen, ohne das auch nur Einer verloren geht oder zu Schaden kommt. Die Fähigkeiten, Verantwortung zu übernehmen, aber auch auf andere zu übertragen, sind für uns wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Schulkultur.

Für die Kinder und Jugendlichen bedeutet dies, dass sie lernen, ihren Lernprozess eigenver- antwortlich zu organisieren, wobei der Lehrer ihnen zunehmend mehr als Begleiter und Unterstützer zur Seite steht.
Mit projektorientierten Unterrichtsformen, dem Lernen nach Dalton - Plan, den Lernstudios und dem Lernen an anderen Orten schufen wir den organisatorischen Rahmen, der jedem Schüler die Möglichkeit gibt, sowohl auf die Art und Weise des Lernens, als auch auf Lerninhalte Einfluss zu nehmen (→
Unterrichtsqualität). Das Logbuch und die Arbeit mit Lernportfolios helfen ihnen, regelmäßig über ihren Lernweg zu reflektieren und die nächsten Schritte auf diesem zu planen. Damit können die Schüler ihrer Eigenverantwortung für das Lernen immer besser gerecht werden.

Ein weiteres Interesse unserer Schule liegt darin, die Schüler lebens- und praxisnah zu bilden. Deshalb nutzen wir Möglichkeiten des Service Learnings, wo Schüler auf tatsächlich vorhandene Probleme oder Herausforderungen in der Gemeinde reagieren. Hier geht es um Verantwortungswahrnehmung für die Region, für Einrichtungen. Verantwortungsübernahme bedeutet hier aber auch Projektplanung, -durchführung und Auswertung. Beispiele für Service Learning an unserer Schule sind: Die Beteiligung 15-jähriger Schüler an einer Forschungsstudie zur Stadtentwicklung in Neuhaus, die Erstellung einer Homepage für das Landratsamt, Mithilfe bei der Betreuung behinderter Kinder.
Auch im Schulentwicklungsprozess übernahmen die Jugendlichen seit vielen Jahren Verantwortung. Als eine der ersten Thüringer Schulen begannen wir im Schuljahr 1996/97 mit der Ausbildung von Streitschlichtern. Seitdem arbeitet bei uns stets eine Gruppe von durchschnittlich 25 Schülermediatoren, die in drei Veranstaltungen von insgesamt fünf Tagen im Schuljahr an Aus- und Weiterbildungen zu verschiedenen wichtigen Themen teilnehmen. Damit werden sie befähigt aktive Gewaltprävention in der Pausenbetreuung oder als Klassenpaten durchzuführen und Konflikte durch faire Kompromisse zu lösen.

Im Schuljahr 1997/98 hatten Schüler Oberstufe die Idee, statt der üblichen Klassensprecher- versammlung, ein Schülerparlament aufzubauen und so mehr Verantwortung für die Entwicklung der Schulkultur mit zu übernehmen. Nach der Formulierung einer Satzung konnte dieses bereits im folgenden Schuljahr seine Tätigkeit aufnehmen. Dieser Schritt stellt einen Meilenstein im demokratischen Entwicklungs- prozess unserer Schule dar. Seitdem wird die Arbeit des Parlaments eigenverantwortlich durch die Schüler den sich verändernden Bedingungen angepasst. Genau wie die Schülerstreitschlichter werden die Mitglieder zu verschiedenen Themen auch mit Unterstützung unserer Partner wie der DKJS fortgebildet. Dies geschieht regelmäßig außerhalb der Schule und bringt neue Impulse in die Schule zurück. Seit dem Jahr 2005 ist es uns gelungen auch auf Klassenebene die Möglichkeiten der Mitwirkung der Schüler durch die feste Einführung des Klassenrates und seine Verankerung im Stundenplan zu erhöhen.

So bestimmen die Schüler über die Vorhaben der Klasse, können Probleme lösen und sich dazu auch Unterstützung z.B. durch Klassenpaten der Streitschlichter holen. Ein Mal im Jahr, wenn Lehrer sich an der Schule gemeinsam fortbilden, werden Parlamentarier und Streitschlichter zu Schülermoderatoren und übernehmen für einen Tag die gesamte Schule. So trainierten alle Schüler Mediation und demokratisches Sprechen und so entstand auch unsere Verfassung. Beim ersten Mal sagten Jugendliche bei einer Nachbesprechung mit dem Schulleiter, es sei anstrengend aber schön, Lehrer zu sein und sie wollten das viel öfter machen. So konnte diese anspruchsvolle Form der Verantwortungsübernahme bereits vier Mal gelingen.
Neben der Verantwortungsübernahme durch Schüler ist es für unsere Schule genauso wichtig, dass Lehrer außer für ihren Unterricht auch für den Schulentwicklungsprozess Verantwortung übernehmen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die 2002 gegründete Steuergruppe, die nach dem Prinzip der maximalen Transparenz die Schritte auf unserem Weg koordiniert und andere Kollegen in die verschiedensten Projekte mit einbezieht. Die Mitglieder fanden sich auf freiwilliger Basis zusammen und nahmen als Team von 2003 bis 2006 an einer Qualifizierung durch das Thüringer Institut für Lehrerbildung teil. Diese Lehrer denken die nächsten Schritte des Weges der Schulentwicklung vor, beziehen aber sowohl in die exakte Planung als auch in die Umsetzung verschiedene Kollegen ein. Einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Partizipation stellt seit dem Schuljahr 2008/09 ein durch Mitglieder der Steuergruppe entwickeltes Konzept des Schulmanagements dar. Dadurch soll der gesamte Entwicklungsprozess auf mehr Schultern verteilt werden. Koordinatoren, die auch in der Steuergruppe mitwirken, sind weitgehend eigenverantwortlich für einen Bereich wie z.B. für Ganztag, Daltonplan, Demokratie, Sport, Schulentwicklung und Steuergruppe tätig, planen dessen Arbeit und beziehen andere Kollegen oder Partner mit ein. Damit wird mehr Effektivität und Transparenz erreicht. Das Mandat für eine aufgabenorientierte Professionalität wurde durch Handlungsvollmachten schriftlich fixiert und durch die Gesamtkonferenz legitimiert.
Die Elternarbeit war für uns lange Zeit eine schwierige Baustelle, anfänglich eine regelrechte historische Gegnerschaft. Deshalb war es uns wichtig, neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln. Neben den üblichen Elternversammlungen, Elternsprecherzusammenkünften, Anlassgesprächen und Sprechtagen spielt im Schuljahr 2009/10 das Logbuch (→
Unterrichtsqualität) eine besondere Rolle. In den Abschnitten, in denen die Kinder über ihre eigene tägliche Arbeit reflektieren, unterschreiben die Eltern und haben somit die Gelegenheit mit ihren Kindern über die schulischen Belange zu sprechen. Zudem gibt es Felder für Informationen der Lehrer an die Eltern und umgekehrt. So hoffen wir den Dialog aller Beteiligten zu fördern und das gegenseitige Interesse dauerhaft zu verstärken. Genau dieser Punkt ist es, der zu Nachfragen in Elternversammlungen oberer Klassen führte: "
Warum gab es das Logbuch nicht auch schon für unsere Kinder?" Entwicklungsgespräche und regelmäßiger Kontakt in unterschiedlichen Formen sind Normalität.
Alle diese Ideen und demokratischen Arbeitsweisen finden ihren Niederschlag in der im September 2009 verabschiedeten Schulverfassung. Sie wurde in einem drei Jahre währenden Prozess von Schülern, Lehrern und Eltern erarbeitet, diskutiert und erstellt. Zunächst sollte lediglich der veraltete Verbotskatalog der Hausordnung abgelöst werden. In der Auseinandersetzung mit der Problematik entwickelten wir jedoch gemeinsam eine umfassende Darstellung der Werte, Wege und Ziele unserer Schulentwicklung und kamen damit zu einer echten Richtschnur unseres täglichen Handelns. Die Verfassung wurde am 1.9.2009 in einer Schulversammlung durch Abstimmung in Kraft gesetzt.