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Umgang mit Vielfalt

Der Thüringer Wald ist keine reine Monokultur, sondern ein Wald mit wechselndem Baumbestand, ein Mischwald, durch den unser Weg uns führt. Wer sind alle, fragen wir uns.
Es gibt unterschiedliche Bildungs- voraussetzungen, Schüler in nahen und fernen Dörfern, Kinder in verschiedensten Familien- konstellationen, mit sehr unterschiedlichen sozialen Hintergründen, mit unterschiedlichen Dialekten und kulturellen Traditionen, mit unterschiedlichen Erwartungen an die Schule, Jungen und Mädchen, Alte und Junge und viele andere mehr. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Heterogenität der Lehrer- und Elternschaft wider. Gerade eine ländlich geprägte Region wie der Thüringer Wald ist vom demografischen Wandel betroffen. Nicht selten finden Kinder in ihren Heimatorten kaum noch Gleichaltrige. Computer und Play-Station ersetzen zunehmend die fehlenden sozialen Kontakte am Nachmittag. Zusätzliche Bildungsangebote wie Musikschulen und Sportvereine sind häufig nur mit dem Auto zu erreichen. Somit sah sich unsere Schule gefordert, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und den Kindern und Familien eine anspruchsvolle Alternative zu sein.

Die Auseinandersetzung mit den individuellen Bedürfnissen der Kinder, die Möglichkeit den Nachmittag in der Schule für vielfältige Angebote zu nutzen und unsere Vorstellung von einem veränderten Lernen zu realisieren, führte uns auf den Weg zur Entwicklung eines tragfähigen Ganztagskonzeptes. In unserem Verständnis stellt dieses Konzept eine Verzahnung aller Entwicklungsschwerpunkte der Schule dar.
Auch hier waren Stolpersteine im Weg – für einige Kollegen bedeutete dies ein Umdenken im Tagesablauf. Ganztagsschule erfordert Ganztagslehrer und die Bereitschaft, sich mehr und anders als bisher auf die Schüler einzulassen. Das Einbringen eigener Interessen und Stärken außerhalb des Unterrichtsfachs sind gefordert. Es zeigt sich in der Anzahl der Eltern und Schüler, die sich für unsere Schule entscheiden, dass dieser Weg ein richtiger und zeitgemäßer ist. Die überwiegende Mehrzahl der Familien hatte auch immer die Möglichkeit, ein anderes Gymnasium für ihr Kind zu wählen. In Regionen, für die der Schulträger nur anteilig die Fahrkosten übernimmt, bilden sich Elterninitiativen, die einen Schulbesuch bei uns auch mit finanziellen Zusatzaufwendungen ermöglichen.

Begleitet wird dieser Weg von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und dem Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen“ mit Unterstützung des Instituts für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund.
Wir orientieren uns in dessen Umsetzung am „Dortmunder Qualitätsrahmen für Ganztagsschulen“.
Unsere Vielfalt in der Gestaltung von individuellen Lernprozessen zeigt sich in Entwicklungsbögen, in denen der Stand des einzelnen Schülers erfasst und Möglichkeiten der Förderung in Zusammenarbeit von Lehrern, Schülern und Eltern aufgezeigt werden.
Hierzu finden zweimal jährlich Entwicklungsgespräche mit allen Beteiligten statt.
Dabei entstehen individuelle Lernpläne, die sich auf alle Leistungsbereiche beziehen und unter anderem in den Lernstudios bearbeitet werden. Unter Lernstudio verstehen wir eine individuelle Lernzeit, die sich für jeden Schüler anders gestaltet. Es ist ein zeitlicher Raum, in dem jedes Kind und jeder Jugendliche entsprechend seinen speziellen Bedürfnissen, Begabungen und Neigungen gefördert wird. Es ist eine Form des selbstständigen Lernens, bei der der Lehrer als Beobachter, Begleiter und Unterstützer auftritt.
„Piratenkapitäne schreiben Logbücher“, sagte ein Junge aus einer 5. Klasse zum Schulleiter. In der Tat sind die Kinder die Kapitäne ihres eigenen Lernweges. Sie navigieren und reflektieren was und wie sie gelernt haben. Später können alle nachvollziehen, wie aus einzelnen Abschnitten ein ganzer Weg, eine Landkarte entstanden ist.

Durch inhaltliche, organisatorische, methodische, soziale und persönliche Öffnung des Unterrichts, werden wir den unterschiedlichen Bedürfnissen und Voraussetzungen der Kinder und Jugendlichen in stärkerem Maße gerecht. (→ Unterrichtsqualität)


Wie sieht das konkret im Alltag aus? - Lesen Sie dazu im rechten Bereich  "Ein Tag eines Fünftklässlers".

Unser Logo
Unser Schullogo
Ein Tag eines Fünftklässlers

„Am Morgen fahre ich eine halbe Stunde zur Schule. Gegen 7.20 Uhr kommen wir an und gehen in die Klasse, wo wir uns allmählich einfinden und auf die Unterrichtszeit vorbereiten. Ich lege meine Sachen auf den Arbeitsplatz und schaue noch einmal im Logbuch nach. Dort steht was ich zuletzt gelernt habe und welche Hausaufgaben erledigt werden mussten. In der ersten Stunde gehe ich ins Lernstudio. Ich bin gut in Mathe. In dieser Zeit rechne ich zusätzliche Aufgaben, die mir mein Mathelehrer gegeben hat. Das macht Spaß. Dann habe ich Musik. Wir singen gemeinsam neue Lieder und können uns an verschiedenen Instrumenten ausprobieren. Dritte und vierte Stunde habe ich Englisch. Im Sprachlabor ist es klasse. An den Computern dort arbeite ich gern. Ich kann schon viele englische Sätze sprechen. Weil ich in der Sportklasse bin, habe ich fünfte und sechste Stunde Training. Da übt in der fünften Stunde mein Sportlehrer und in der sechsten Stunde mein Biathlontrainer mit mir. 13.15 Uhr ist es Zeit Mittag zu essen. Nach einer Pause gehe ich in den Ganztag. In der Lernzeit mache ich Schulaufgaben oder lerne für Arbeiten. In der Beschäftigungszeit kann ich jeden Tag etwas anderes tun. Ich bin froh, dass meine Schule eine Ganztagsschule ist. So kann ich mit meinen Freunden länger zusammen sein und muss zu Hause nicht mehr so viel für die Schule tun.“
„Schule kann gelingen“ sagt Enja Riegel, wenn kein Kind sitzenbleibt und beschämt wird. „Zu Beginn des BLK-Programmes im Jahre 2000 stellten die Professoren Edelstein und Fauser eine Studie vor, die besagte, dass an den meisten deutschen Schulen eine Kultur der Gängelung, Demütigung und Bloßstellung herrscht. Ich fuhr zurück nach Neuhaus und sagte mir: Bei uns nicht mehr!“ Die sehr geringen Zahlen der Wiederholer und Abgänger zeigen, dass es uns inzwischen gelingt, Kinder und Jugendliche zu stärken und der eingeschlagene Weg der richtige ist.